Jetzt in Berlin besuchen

Jetzt in Berlin besuchen 

Kohltouren bedeuten Sammeln für Essen und Spaß

Gruppen von Erwachsenen, die Schnapskarren durch die eisigen Ebenen Norddeutschlands ziehen und dabei alberne Spiele spielen, können nur eines bedeuten: Es ist Kohltourenzeit! Lernen Sie mit Carla Bleiker von der DW die Tradition kennen.
Die Zeit zwischen Weihnachten und Ostern ist kalt und grau, aber in der Gegend zwischen Oldenburg und Bremen hellt die Kohlfahrt die Wintermonate auf. Grünkohl, die Mahlzeit, die das Ende jeder Kohlfahrt markiert, ist ab Oktober auf den Speisekarten der Restaurants zu finden – auch wenn eine alte Regel besagt, dass man ihn nicht vor dem ersten Frost essen darf – aber die höchste Zeit für Führungen ist von Januar bis März.
Kali – eine globale Delikatesse
Auch wenn Kohlreisen ein traditionelles deutsches Phänomen sind, ist ihr wesentlicher Bestandteil nicht. Grünkohl, wörtlich übersetzt Grünkohl und im Lateinischen Brassica oleracea acephala, soll seine Wurzeln im Mittelmeerraum haben. Ob er im antiken Griechenland oder irgendwo an den Küsten Nordafrikas entstanden ist, weiß niemand. Heute ist das Blattgrün weltweit Bestandteil vieler Mahlzeiten.
Henning Lühr, Staatsrat im Bremer Finanzministerium und leidenschaftlicher Hobbykoch, hat 50 internationale Rezepte gesammelt und das „Internationale Grünkohl Kochbuch“ herausgegeben, ein Kochbuch mit äthiopischem Grünkohl-Eintopf, chinesischem Grünkohlhuhn und französischer Grünkohl-Quiche.
„Mein internationales Lieblingsrezept ist italienisches Grünkohlpesto, weil es so frisch und grün ist, dass einem die Vitamine quasi in die Nase beißen“, sagt Lühr gegenüber der DW. Trotzdem mag er auch die traditionelle norddeutsche Version.
Lühr bereitet mindestens ein großes Grünkohlmenü pro Jahr für Familie und Freunde zu. Zwei Tage verbringt er in der Küche, rührt geduldig Grünkohl und Wurst um, kocht Kartoffeln und wendet die großen Speck- und Schinkenstücke, die zu jeder deutschen Grünkohlmahlzeit gehören, auch bekannt als „Kohl und Pinkel“.
Der Spaziergang
Um so viel Essen wirklich genießen zu können, muss man sich Appetit machen. Eine typische Krauttour beginnt mit einem zweistuendigen Spaziergang durch die Winterlandschaft am Nachmittag, gefolgt von „Kohl und Pinkel“ in einem grossen Restaurant. Danach wird zu Musik, die von einer Live-Band oder einem DJ gespielt wird, getanzt.
Linda, eine 30jaehrige Bremerin, ist regelmaessig bei Kohlfahr dabei. Sie und acht weitere Mitglieder ihres Tanzteams hängen sich Schnapsgläser an Schnüren um den Hals und ziehen einen kleinen, mit Luftballons und Luftschlangen dekorierten Wagen. Drinnen: 5 verschiedene Schnapsflaschen, Teebeutel, große Würfel und zwei Springseile. Dies sind unverzichtbare Accessoires für Kohltouren.
Schnaps Schwindel
Linda und ihre Freunde brauchen zwei Stunden für die vier Kilometer lange Strecke, da sie alle 5 Minuten anhalten. Die Regeln sind von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich, aber in der Regel läuft eine Kohletour in etwa so ab: Man muss das kleine Glas um den Hals heben, wenn die Gruppe an einer Kreuzung vorbeigeht oder jemand mit den Schaumstoffwürfeln eine Sechs wirft. Einige Gruppen benutzen Eierbecher anstelle von Gläsern, und die effizientesten haben „Schlucklatten“, lange Bretter mit darauf montierten Schnapsgläsern, so dass fünf oder mehr Personen gleichzeitig trinken müssen. Wenn sie nicht gerade laufen oder trinken, halten Leute auf einer Kohltour für Spiele an, die man normalerweise auf einem Kindergeburtstag sieht.
Das Tanzteam beginnt mit einem Klassiker: dem Teebeutelwerfen. Die Dumpfbacke nimmt den Teebeutel in den Mund, um ihn anzufeuchten, hängt sich dann mit den Zähnen an die kleine Schnur und schleudert ihn so weit wie möglich. Später muss Lindas Partner André 10 Sprünge mit dem Springseil schaffen, weil er mit den Würfeln eine 5 gewürfelt hat. Weitere beliebte Spiele sind der Transport eines Eies von A nach B auf einem Löffel, den man mit dem Mund hält, und das klassische Dreibeinrennen.
Wenn die Gruppen endlich ihr Ziel erreichen, sind sie glücklich, hungrig und bereit zum Feiern.
Essen, Trinken, Tanzen
Fast jedes Restaurant in Nordwestdeutschland bietet All-Inclusive-Kohlpartys mit Essen, Trinken und Musik an. Doch das Landidyll Hotel Backenköhler im niedersächsischen Stenum ist der König des Kohls. Das Restaurant des Hotels bietet Platz für bis zu 1.100 Personen oder etwa 75 Kohlreisegruppen in einer Nacht.
„Wir suchen Männer- und Frauengruppen und versuchen, sie gemeinsam an einen Tisch zu setzen“, sagt Manager Uwe Vosteen gegenüber der DW. „Viel mehr braucht es nicht, um die Party in Schwung zu bringen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.